10/11/2008 - In Situationen scheinbarer Sicherheit neigen Menschen dazu, Risiken zu vernachlässigen oder gar zu negieren. Dieses Verhalten lässt sich auch in der Vermögensanlage beobachten. In Phasen stetigen Wachstums und Prosperität neigen Anleger dazu, die latenten Risiken nur geringfügig zu beachten oder ganz ausser Acht zu lassen. Dies führt zu risikoreicheren Verhalten, welchem der gesamte Finanzmarkt unterworfen ist. Marktkorrekturen und wirtschaftliche Abkühlung führen zu einer Rückbesinnung auf ein adäquates Risikoverhalten.
Je länger eine Wachstumsphase dauert, um so stärker wird das beschriebene Verhalten. An Verluste kann man sich kaum noch erinnern, die Gewinne der letzten Tage und Wochen sind aber omnipräsent. Wer jetzt noch an Risiken denkt oder ganz vorsichtig handelt, erhält höchstens ein bemitleidendes Lächeln. Die Gefahr, dass in solchen es wird schon nicht schiefgehen Zeiten eine markante Korrektur einsetzt, ist gross – sehr gross, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben. Das scheinbar unerschütterliche Finanzsystem ist komplett aus den Fugen geraten. Gründe hierfür gibt es einige, Schuldige oder Beschuldigte noch viel mehr. Doch welches Verhalten ist in Zeiten erhöhter Risiken richtig? Wo lauern die Gefahren und wie können Sie sinnvoll gebannt werden?
Am augenscheinlichstem werden die Probleme an den Finanzmärkten mit den fallenden Aktienkursen, insbesondere bei den Finanzwerten. Für den Anleger stellt sich hier die Frage, ob er in Aktien oder Partizipationsprodukten investiert bleiben soll. Wer einen früher Aisstieg verpasst hat und trotzdem mit weiter sinkenden Kursen rechnet, kann sich kostengünstig versichern. Hierfür stehen verschiedene Absicherungs-Produkte wie Put-Optionen, Short-Mini-Futures oder Short-Tracker-Zertifikate zur Verfügung. Für den Einsatz dieser Produkte wendet man sich am besten an den Anlageberater, der die Funktionsweise dieser Absicherungen kennen sollte. Eine angemessene Absicherung ist kostengünstig und lässt so machen Anleger ruhiger schlafen.
Viele Anleger suchen bei Obligationen und Kapitalschutzprodukten hohe Zinscoupons. Finanzprodukte mit längerer Laufzeit versprechen hier bessere Renditen. Anlegen sollten aber nicht blind zulangen, da ein Portfolio mit langlaufenden Papieren bei einem Anstieg des Zinsniveaus an Wert verliert. Sinnvoller ist es, die Laufzeiten zu staffeln oder direkt in Produkte zu investieren, die einen Coupon auszahlen, der sich nach dem jeweiligen Zinsniveau richtet. Verschiedene Anbieter haben in diesem Jahr vermehrt solche Produkte. mit fairer Verzinsung auf den Markt gebracht. Auch hier empfiehlt es sich, den Berater zu konsultieren um das passende Produkt zu finden.
Was kaum jemand für möglich gehalten hat ist eingetroffen, mit Lehman Brothers ist eine grosse Investmentbank zahlungsunfähig geworden. Damit wurde ein weiteres Risiko, das Emittentenrisiko, augenfällig. Im payoff wurde in den vergangenen Monaten verschiedene Male auf die erhöhten Risiken hingewiesen, aufmerksame Leser waren also gewarnt. Auch künftig werden im payoff die aktuellen Ratings der Emittenten sowie deren Risikoaufschläge (Credit Spreads) publiziert. So können sich Anleger in Strukturieren Produkten immer auf einfache Art und weise auf dem Laufenden Alten. Um das Emittentenrisiko zu entschärfen, empfiehlt es sich unabhängig von den Risikozahlen, das Portfolio auch bezüglich der Herausgeber von Strukturierten Produkten zu diversifizieren. Damit ist sichergestellt, dass im Ernstfall nur ein kleiner Teil des Portfolios betroffen wäre.
Im Alltagsleben überhaupt, aber auch bei Anlagefragen kann es nie schaden, eine gesunde Portion Misstrauen zu hegen. Sind die Renditeversprechungen überdurchschnittlich hoch, so muss auch das Risiko überdurchschnittlich sein. Es gibt nie, wirklich nie, einen hohen Ertrag ohne entsprechendes Risiko. Das soll aber nicht davon abhalten, gewisse Risiken einzugehen, denn nur so lässt sich der Anlageerfolg optimieren. Wichtig ist, dass man sich der Risiken bewusst ist und diese auch tragen kann. Ein mit Absicht eingegangenes Risiko muss nicht negativ sein, im Gegenteil, ein richtig eingeschätztes Risiko kann durchaus Freude bereiten.
Quelle: dp payoff Magazine
Zürich, Schweiz