In der Ersten Republik bestanden die drei politischen Lager, die sich noch in der Zeit der Monarchie gebildet hatten, unverändert weiter. Sie waren für den Anschluss an Deutschland wenn auch aus verschiedenen Gründen.
Sie vertrat vor allem die Gruppe der Arbeiter und Angestellten in den Städten. Ihr Vorsitzender war Karl Seitz, zu ihren führenden Politiker zählten Otto Bauer und Karl Renner. Die Sozialdemokratische Partei forderte eine Neugestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft, wobei ein eigener, demokratischer Weg zwischen dem Kapitalismus einerseits und dem Kommunismus andererseits eingeschlagen werden sollte (Austromarximus). Auf kulturellem Gebiet trat sie für eine Trennung von Staat und Kirche ein und stand deshalb im Gegensatz zur katholischen Kirche.
Im Linzer Parteiprogramm von 1926 hieß es:
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs führt den Befreiungskampf der Arbeiterklasse und setzt ihm als Ziel die Überwindung der kapitalistischen, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung.
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wird die Staatsmacht in den Formen der Demokratie und der unter allen Bürgschaften der Demokratie ausüben. (Gekürzt.)
Sie stützte sich vor allem auf das Groß- und das Kleinbürgertum und die Bauern. Ihre Schwerpunkte hatte sie daher in den ländlichen Gebieten. Zu ihren führenden Politikern gehörten Prälat Ignaz Seipel, Leopold Kunschak und Engelbert Dollfuß. Die geistigen Grundlagen der christlichsozialen Politik waren der Konservativismus und die Lehrer der katholischen Kirche. Die bestehende kapitalistische Wirtschaftsordnung wurde von ihr in den Auswüchsen kritisiert, aber im Grundsätzlichen anerkannt. Eine besonders enge Verbindung hatte die Christlichsoziale Partei mit der katholischen Kirche.
In ihrem Parteiprogramm von 1926 stellte die Christlichsoziale Partei ihre Ziele sodar:
Die Christlichsoziale Partei sieht ihre Aufgabe darin, der Politik jene Richtung zu geben, die den Grundsätzen des Christentums entspricht. Als Volkspartei betrachtet sie alle Berufsstände grundsätzlich als gleichberechtigte Glieder der Volksgemeinschaft. Sie verlangt aber auch von allem Ständen, dass sie ihre besonderen Interessen mit den Anforderungen des Gesamtwohles in Einklang bringen und dass jeder Stand für die Bedürfnisse und Rechte der anderen Stände ein wohlwollendes Verständnis besitze. (Gekürzt.)
Die Anhänger der Großdeutschen Volkspartei und des Landbunds waren vor allem antiklerikale Bürger und Bauern. Die Politischen Ziele dieser Parteien beruhten auf den Gedanken des Liberalismus, des Nationalismus und des Antisemitismus.
Im Jahr 1920 wurde die Koalition der beiden Großparteien beendet. Aus den Wahlen ging die Christlichsoziale Partei als stärkste Partei hervor; sie bildete mit den Großdeutschen die Regierung. Die Sozialdemokraten gingen in die Opposition.
In der politischen Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition verschärfte sich der Gegensatz zwischen den beiden Großparteien. Dazu kam, dass starke weltanschauliche Unterschiede die beiden Parteien trennen.
Mit den politischen Parteien waren die wirtschaftlichen Interessenvertretungen eng verbunden. Während die Lohnarbeiter höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Mitbestimmung forderten, war es das Ziel der Unternehmer, möglichst hohe Gewinne zu erzielen.
Mitte der zwanziger Jahre entwickelte sich mit den Wehrverbänden eine gefährliche außerparlamentarische Kraft.
Auf der Seite der Christlichsozialen Partei standen die Heimwehren. Sie wurden militärisch ausgebildet und trugen eigene Uniformen. Die finanziellen Mittel erhielten sie zum Teil aus Kreisen der Industrie.
Der Heimwehr stand der Republikanische Schutzbund gegenüber. Er war der Selbstschutzverband der Sozialdemokratischen Partei und sollte den Bestand der Republik sichern. Beide Wehrverbände verfügten über beträchtliche Mengen von Maschinengewehren, Gewehren und Munition.
Die Stärke von Polizei, Bundesheer und Wehrverbänden um 1930
Polizei und Gendarmerie 18.000 Mann
Bundesheer 23.000 Mann
Heimwehren 150.000 Mann
Republikanischer Schutzbund 95.000 Mann
Quelle: Zeiten Völker Kulturen 3
ÖBV Pädagogischer Verlag, Wien