In der jungen Republik wurden beachtliche Leistungen vollbracht. Das gilt z. B. für die neue Verfassung.
In einer Zeit der bittersten Not wurde ein umfangreiches Sozialprogramm verwirklicht, wodurch den Forderungen der Arbeiterschaft entsprochen wurde.
Achtstundentag
Arbeiterurlaubsgesetz
Arbeitslosengesetz
Recht auf Kollektivverträge
Schutz der Hausgehilfinnen
Regelung der Frauen- und der Nachtarbeit
Fürsorge für die Invaliden
Betriebsrätegesetz
Einrichtung der Arbeiterkammern
Im Jahr 1922 erreichte die Inflation ihren Höhepunkt:
Geldwerk der Krone im Vergleich zum stabilen Schweizer Franken (sfr.)
1. Juli 1919 - 576 Kronen für 100 sfr.
1. Juli 1921 - 12200 Kronen für 100 sfr.
1. Juli 1922 - 360000 Kronen für 100 sfr.
In diese Situation gelang es Bundeskanzler Ignaz Seipel, über den Völkerbund in Genf eine Anleihe von 650 Millionen Goldkronen zu erhalten. Österreich mußte sich dafür unter die Kontrolle des Völkerbunds stellen.
Durch die „Genfer Sanierung“ wurde der Staatshaushalt in Ordnung gebracht. In der Folge erhielt Österreich endlich eine wertbeständige Währung. An Stelle der völlig entwerteten Krone trat 1924 als neue Währungseinheit der Schilling (10000 Kronen = 1 Schilling).
Die Regierung führte ein Sparprogramm durch, und die Bevölkerung mußte beträchtliche wirtschaftliche Opfer auf sich nehmen. 100000 Beamte wurden abgebaut, und die Warenumsatzsteuer wurde eingeführt. Die Arbeitslosigkeit stieg dadurch stark an.
Die Reichshaupt- und Residenzstadt eines 50-Millionen-Reichs war zur Hauptstadt eines Kleinstaats geworden. Von den 6,5 Millionen Einwohnern Österreichs lebte fast ein Drittel in Wien. Die Stadt wurde daher der „Wasserkopf“ Österreichs genannt.
Die sozialdemokratische Stadtverwaltung unter Bürgermeister Karl Seitz beschritt vor allem im Wohnbau, im Sozial- und Gesundheitswesen und im Bereich der Schule neue Wege. So entstanden innerhalb eines Jahrzehnts die großen Gemeindebauten mit ihren fast 60000 Wohnungen und am Stadtrand noch 5000 Siedlungshäuser. Das Fürsorgewesen wurde beträchtlich verbessert: „Was wir für Jugendhorte ausgeben, werden wir an Gefängnissen ersparen.“ Mehr als 100 Kindergärten, viele Kinderspielplätze und Planschbecken wurden gebaut, und alle Wiener Volks- und Hauptschüler erhielten unentgeltlich die Bücher und Lehrmittel.
In dieser Zeit wurde auch die Großglockner-Hochalpenstraße gebaut, eine beachtliche Leistung.
Die Salzburger Festspiele mit dem „Jedermann“ von Hofmannsthal und den Opern von Mozart fanden weltweite Anerkennung.
Quelle: Zeiten Völker Kulturen 3
ÖBV Pädagogischer Verlag, Wien